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Fachtag Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Behinderung

Sa. 28.09.2024 | 10:00 bis 17:00 Uhr

Wenn beispielsweise Kinder oder erwachsene Menschen mit Behinderung verbal oder auch körperlich aggressives Verhalten zeigen, sich nicht mehr beruhigen lassen und pausenlos Grenzen überschreiten, kann das zu einer Dauerbelastung für ihr Gegenüber führen. Wie können Eltern, Betreuer*innen und weitere Bezugspersonen mit so einem Verhalten, mit den daraus resultierenden Kränkungen und den schwindenden Kräften umgehen?

Eine im Jahr 2023 mit sehr hoher Teilnehmendenzahl stattgefundene Informationsveranstaltung zum Thema „Herausforderndes Verhalten von Menschen mit komplexen Behinderungen“ hat gezeigt, wie brisant und überfordernd diese Thematik für Eltern und auch Fachkräfte sein kann. Mit diesem Fachtag vertieft der lvkm-sh diesen Themenbereich erneut und ermöglicht somit eine intensive Auseinandersetzung.

Die Referent*innen des diesjährigen Fachtages haben sich alle mit den unterschiedlichen Facetten von Herausforderndem Verhalten auseinandergesetzt und können mit ihrem Fachwissen wichtige Eckpfeiler setzen. Der lvkm-sh möchte Eltern wie auch Fachkräften aufzeigen, dass sie nicht alleine sind und es Wege mit einem weniger belastenden Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen ihres Kindes oder Klient*in geben kann.

Als Einstieg in das Thema berichten zwei Referentinnen mit je einem Impulsvortrag über den „Low Arousal Ansatz“ sowie der „Neuen (systemischen) Autorität“. Die sich anschließenden Workshops dienen dazu, Themen und Inhalte zu vertiefen.

In den Pausen besteht die Möglichkeit eines persönlichen Austausches unter allen Teilnehmenden, so dass der Aspekt der Selbsthilfe an Bedeutung gewinnt.

Dem lvkm-sh ist es wichtig, Eltern und Fachleuten ein breites Themenspektrum anzubieten, aus dem sie sich viele Informationen und Handlungsstrategien für ihr privates oder berufliches Umfeld mitnehmen und erarbeiten können.

Der Landesverband lädt Sie herzlich dazu ein, an diesem Fachtag teilzunehmen!


Das Programm

10:00 – 10:15 Uhr
Begrüßung

10:15 – 11:15 Uhr
Vortrag I: Stärke statt (Ohn-) Macht - Das Konzept Neue Autorität
Referentin: Anja Pape

11:15 – 11:30 Uhr
Pause

11:30 – 12:30 Uhr
Vortrag II: Herausfordernde Verhaltensweisen verstehen => Perspektivwechsel sehen!
Referentin: Stephanie Adolph

12:30 – 13:30 Uhr
Mittagspause mit Verpflegung

13:30 – 15:00 Uhr
Workshop-Phase I
Auswahl aus sechs verschiedenen Workshops

15:00 – 15:15 Uhr
Pause

15:15 – 16:45 Uhr
Workshop-Phase II
Auswahl aus sechs verschiedenen Workshops

16:45 – 17:00 Uhr
Abschlussplenum und Ende der Veranstaltung

Vorträge

Vortrag I

Stärke statt (Ohn-) Macht – Das Konzept Neue Autorität

Eltern und Fachkräfte kennen die Situationen, in denen sie Herausforderndes Verhalten an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringt. Dabei entsteht manchmal ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ohnmacht. Wir rutschen aus unserer inneren Mitte und handeln nicht mehr im Einklang mit unseren Werten. In diesem Kontext wurde das Konzept Neue Autorität entwickelt, das sich im vergangenen Jahrzehnt in der Pädagogik immer weiterverbreitet hat und auf den Ideen des gewaltfreien Widerstandes beruht. Die Referentin berichtet, warum und wie dieser Ansatz hilfreich im Umgang mit Herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Behinderung sein kann.

Referentin: Anja Pape, Krankenschwester, Erzieherin, Systemische Beraterin, Familientherapeutin (DGSF), Systemische Supervisorin (SG), Coach für Neue Autorität

 

Vortrag II

Herausfordernde Verhaltensweisen verstehen -> Perspektivwechsel sehen!

Menschen, die nur eingeschränkt kommunizieren können und Besonderheiten in Kognition und Wahrnehmung haben, zeigen häufig Verhaltensweisen, die wir als Herausforderung erleben.
Um Lösungsansätze mit passenden Angeboten für diesen Personenkreis und deren Umfeld entwickeln zu können, müssen wir im ersten Schritt „Verstehen“! Hierzu wird gemeinsam ein Blick auf Erklärungsansätze (Ursachen, Auslöser und Funktionen), Lösungsmöglichkeiten von herausfordernden Verhaltensweisen und auf die „Krise“ (Low Arousal Ansatz) gelegt.

Referentin: Stephanie Adolph arbeitet bei der Beratungsstelle BeKoVe der Lebenshilfe Köln e. V., die für Menschen mit Behinderung jeder Altersstufe und deren Umfeld Prozessbegleitung, Beratung und Fortbildungen rund um die Themen unterstützte Kommunikation (& Autismus) und herausfordernde Verhaltensweisen anbietet. Seit insgesamt 22 Jahren begleitet und unterstützt Frau Adolph Menschen mit körperlichen, geistigen & psychischen Beeinträchtigungen in jeder Altersspanne in allen Lebensbereichen (Familie, Kita, Schule, Beruf und Freizeit).

Workshops

Stärke statt (Ohn-) Macht – Das Konzept Neue Autorität

Die Handlungsmöglichkeiten des Ansatzes Neue Autorität können für Fachkräfte und Eltern unterstützend sein. Doch wie genau geschieht das? Was bedeutet es, die eigene Präsenz zu stärken?

Und wie kann die Haltung der Neuen Autorität helfen, in herausfordernden Situationen in Beziehung zum Gegenüber und handlungsfähig zu bleiben? Auf diese Fragen wird anhand von konkreten Beispielen im Workshop eingegangen.

Referentin: Anja Pape, Krankenschwester, Erzieherin, Systemische Beraterin, Familientherapeutin (DGSF), Systemische Supervisorin (SG), Coach für Neue Autorität

 

Perspektivwechsel Schritt für Schritt - Alternativen finden für herausfordernde Verhaltensweisen!?

Bevor wir Lösungen entwickeln können, müssen wir „Analysieren“ und „Verstehen“!

  • Welche Funktion schreiben wir den herausfordernden Verhaltensweisen zu?
  • Welche Ursachen erklären uns die Entwicklung von herausfordernden Verhaltensweisen?
  • Was sind Situationen & Auslöser und wie können wir diese erkennen?

Nach einem kurzen Impulsvortrag werden von Teilnehmenden mitgebrachte Beispiele zu herausfordernden Verhaltensweisen mit Blick auf Ursache, Auslöser und Funktion genauer unter die Lupe genommen, und es werden in Kleingruppen mit Hilfe von konkreten Arbeitsmaterialien wichtige erste Schritte einer genauen Analyse erprobt. So gelingt der Einstieg in einen Perspektivwechsel im Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen.

Referentin: Stephanie Adolph arbeitet bei der Beratungsstelle BeKoVe der Lebenshilfe Köln e. V., die für Menschen mit Behinderung jeder Altersstufe und deren Umfeld Prozessbegleitung, Beratung und Fortbildungen rund um die Themen unterstützte Kommunikation (& Autismus) und herausfordernde Verhaltensweisen anbietet. Seit insgesamt 22 Jahren begleitet und unterstützt Frau Adolph Menschen mit körperlichen, geistigen & psychischen Beeinträchtigungen in jeder Altersspanne in allen Lebensbereichen (Familie, Kita, Schule, Beruf und Freizeit).

 

Rechtliche Möglichkeiten bei herausforderndem Verhalten: Zwischen Macht und Ohnmacht.

Viele Verhaltensweisen der Menschen, die im Leben begleitet und unterstützt werden, stellen für uns eine Herausforderung dar. Jedoch nur ein geringer Teil dieser Verhaltensweisen berühren tatsächlich rechtliche Fragestellungen. Im Workshop werden zunächst im Rahmen eines Impulsreferats die rechtlichen Rahmenbedingungen vorgestellt, die nicht nur für rechtliche Betreuer*innen relevant sind.

Im Anschluss erfolgt ein Austausch über persönliche Erfahrungen der Teilnehmenden mit Herausforderndem Verhalten und es wird herausgearbeitet, welche rechtlichen Aspekte dabei eine Rolle spielen und welche Maßnahmen dann greifen können.

Referenten: Anja Walz und Sönke Wimmer sind Diplom-Sozialpädagog*innen und beim Betreuungsverein in Kiel tätig. Neben der Führung rechtlicher Betreuungen und Verfahrenspflegschaften gehören zu den Aufgaben des Betreuungsvereins die sogenannten Querschnittsaufgaben. Die Hauptaufgabe hierbei ist die Gewinnung, Einführung, Fortbildung und Beratung von ehrenamtlichen Betreuer*innen.

 

Pädagogischer Umgang mit herausfordernden Verhaltensweisen

Häufig zeigen Menschen mit komplexen Behinderungen für das Umfeld herausfordernde Verhaltensweisen. Grundlegend ist dabei die Annahme, dass jedes gezeigte Verhalten eine Funktion und einen Auslöser hat. Im Workshop sollen den Teilnehmenden mögliche Funktionen von herausfordernden Verhaltensweisen aufgezeigt und eine systematische Vorgehensweise für Ursachen und Gründe vermittelt werden. An Hand von Fallbeispielen werden weiterführend mögliche pädagogische Umgangskonzepte und Interventionen besprochen.

Referentin: Lioba Grünfelder ist Rehabilitationspädagogin, systemische Beraterin und Pädagogische Leitung der Universitätsklinik für Inklusive Medizin in Bielefeld, Bethel. Gemeinsam mit einem multiprofessionellen Team setzt sie sich dort im stationären Bereich für eine umfassende medizinische Versorgung für Menschen mit Komplexen Behinderungen ein.

 

Neue Perspektiven auf Herausforderndes Verhalten durch den Ansatz der emotionalen Entwicklungsorientierung (SEO/SEED)

Menschliches Verhalten hat gute Gründe. Nicht immer sind diese von außen gut zu erkennen und gut zu verstehen. Dies führt dann oft zu Hilflosigkeit und zur Verunsicherung, wie man sich selbst verhalten soll. Nachgeben oder hart bleiben? Helfen oder Selbstständigkeit fördern?

Der Ansatz der sozio-emotionalen Entwicklung hilft uns, Menschen in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten besser zu verstehen. Daraus lassen sich oft neue Ideen für den alltäglichen Umgang ableiten.

Im Workshop wird das Entwicklungspsychologische Modell von Anton Dosen vermittelt und in praktischen Übungen ausprobiert. Zudem werden praktische Tipps und Umgangsmöglichkeiten abgeleitet.

Referentin: Dr. Marie Ilic ist Psychologin und Psychotherapeutin an der Universitätsklinik für Inklusive Medizin in Bielefeld, Bethel. Seit über 10 Jahren arbeitet sie mit Menschen mit Behinderung und ihren Bezugssystemen zusammen und ist Mitglied im Network of Europeans on Emotional Development.

 

Basale Stimulation

Die Basale Stimulation hat zum Ziel, Menschen, die in ihrer Wahrnehmung eingeschränkt sind, im Bereich der Wahrnehmung, Bewegung und Kommunikation zu unterstützen und zu fördern. Zum Bespiel kann die Durchführung der Körperpflege bei Menschen mit schweren Beeinträchtigungen sehr herausfordernd sein, wenn Bewegungen unkontrolliert oder stark eingeschränkt sind, was zusätzlich nicht selten auch durch Verweigerung, Lautgebärden oder körperlicher Abwehr gekennzeichnet ist.

Die Basale Stimulation bietet sehr viele Bausteine die u. a. bei der Körperpflege helfen können, diese angenehm, leichter und therapeutisch zu gestalten. Im Angebot wird den Teilnehmenden der ein oder andere Baustein des Konzeptes nähergebracht und dieser in Selbsterfahrungsübungen vertieft.

Referentin: Britta Adjei, examinierte Krankenschwester, Praxisbegleiterin für Basale Stimulation, Anwenderin des Bobathkonzeptes, Peer Tutorin Kinästhetics, Praxisanleiterin, Ausbilderin für Pflegefachkräfte seit 30 Jahren in der Schön-Klinik Rendsburg

Anmeldung

Hier finden Sie weitere Anmeldeinformationen und das entsprechende Formular.

Ansprechpartnerin

Sabine Schömer
  • Familienberatung
  • Diplom-Sozialpädagogin
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