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Erfahrungsbericht

53. Familienseminar – Eltern stärken, Kinder fördern vom 06.07. bis 13.07.2018 in Brodten

Teilnehmer

20 Familien mit behinderten Kindern und deren Geschwister aus ganz Schleswig-Holstein nahmen am 53. Familienseminar teil. 21 Kinder mit Behinderung und 13 Geschwisterkinder erlebten dabei eine intensive und spannende Woche.

Ort und Räumlichkeiten

Vor den Toren Lübecks liegt das Theodor-Schwartz-Haus der Arbeiterwohlfahrt. Das Seminar- und Ferienzentrum hält optimale Bedingungen für eine gelungene Durchführung des Familienseminars bereit und wird vom Landesverband seit vielen Jahren dafür gemietet. Es verfügt über kleine, gemütlich eingerichtete und weitestgehend barrierefreie Appartements, die darüber hinaus auch noch rollstuhlgerecht eingerichtet sind. Workshops, Vorträge und Gesprächskreise fanden in den großzügig gestalteten Seminarräumen statt. Für die Kinderbetreuung wurde ein weiteres Seminarhaus sowie ein Gartenhaus am Kinderspielplatz genutzt. Der große Kinderspielplatz mit verschiedenen Geräten war für die Kinder ein Highlight. Vor allem das Holzschiff ohne Stufen hatte es den Kindern angetan.

Kinderbetreuung

Das Motto „Wikinger“ prägte eine lebendige und kreative Woche in der Kinderbetreuung. Alle Bastelaktionen, Liedertexte, Malvorlagen und auch die Gestaltung des Kinderfestes orientierten sich an diesem Thema. Die Kinder erlebten gemeinsam eine intensive Zeit. Zum krönenden Abschluss einer ereignisreichen Woche wurde beim Kinderfest ausgelassen gefeiert.

An einem Nachmittag fand eine Geschwistergruppe statt, die den Wünschen und Bedürfnissen der Geschwister Raum gab. Wird ihr Alltag sonst geprägt von der Erfahrung in einer außergewöhnlichen Familie zu leben, konnten sie sich in diesem Rahmen ungezwungen über ihre besondere Familiensituation austauschen und von den Erfahrungen der anderen profitieren.

Das Team für die Kinderbetreuung bestand aus 13 pädagogisch und zum Teil auch pflegerisch geschulten Mitarbeiter/innen und einer langjährig erfahrenen Teamleitung. Bei einem Vorbereitungswochenende im Juni wurden alle Mitarbeiter/innen der Kinderbetreuung auf die speziellen Behinderungsformen und den Umgang damit vorbereitet.

Hippotherapie

Jedes Kind mit Behinderung erhielt die Möglichkeit, im Rahmen des Familienseminars die Hippotherapie, eine besondere Form des therapeutischen Reitens, kennen zu lernen.

Die durch die Bewegung des Pferdes entstehenden Impulse ermöglichen das Training der Haltungs-, Gleichgewichts- und Stützreaktionen. Der Kontakt zum Pferd stärkt das Selbstvertrauen, unterstützt seelische und körperliche Heilungsprozesse und fördert die eigene Intuition.

Während die Kinder die Wirkung der Hippotherapie praktisch erfahren konnten, erhielten die Eltern bei Fachvorträgen theoretische Einblicke zu Wirksamkeit und Behandlungsformen einzelner Therapieformen.

Veranstaltungen für Eltern

Auch in diesem Jahr konnten wieder Referenten für unterschiedliche Themen gewonnen und damit ein umfangreiches und informatives Programm auf die Beine gestellt werden. Die Vorträge und Gesprächskreise waren gut besucht und auch Entspannungsangebote wie Hartha Yoga und Rückengymnastik wurden sehr gerne angenommen. Vor allem die Vielfältigkeit und Komplexität der Angebote wurde von den Eltern sehr gelobt. Viele Fragen konnten in den Veranstaltungen von den fachkundigen Referenten erörtert und beantwortet werden. In den Pausen und an den Abenden wurde oft noch intensiv über die unterschiedlichen Themen diskutiert.

Während die Geschwisterkinder in der Kinderbetreuung die Möglichkeit erhielten, sich über ihre Geschwistersituation auszutauschen, wurde auch für die Eltern ein Workshop angeboten, der einen besonderen Augenmerk auf die Geschwister behinderter Kinder richtete. Die Referentin U. Prange (Dipl. Sozialpädagogin und betroffene Mutter) beleuchtete die Belastungen aber auch Chancen dieser besonderen Geschwisterkonstellation.

Förderung der Selbsthilfekräfte

Ein wichtiges Ziel des Familienseminars ist es, den Austausch unter den Eltern der behinderten Kinder im Sinne der Selbsthilfe zu fördern. Nirgendwo sonst finden diese Eltern so viel Verständnis für die eigenen Ängste und Sorgen wie bei anderen ebenfalls Betroffenen. Hier hört der "alte Hase" der frisch betroffenen Mutter zu; Eltern, deren Kinder die gleichen Probleme haben, tauschen Tipps aus; es wird gemeinsam über die besonderen Seiten der Kinder gelacht oder geweint. So konnten viele Familien erfahren, wie hilfreich eine gegenseitige Unterstützung sein kann.

Wenn es gelingt, diese Erfahrung in die Alltagsbewältigung mit einfließen zu lassen, die Familien sich im Alltag optimale Unterstützungsleistungen suchen und Netzwerke aufbauen, ist für sie bereits viel gewonnen.

Finanzierung

Die Kosten des Seminars werden anteilig von den zuständigen Sozialämtern finanziert. Da wir sehr daran interessiert sind, den Eigenanteil der ohnehin belasteten Familien möglichst gering zu halten, werben wir jedes Jahr Spenden ein und hoffen so, die Deckungslücke zu schließen.

Wir sind dankbar und froh darüber, dass uns viele langjährige und treue Spender zur Seite stehen. Ihre Spende ermöglicht es den Familien, von den vielfältigen Themenschwerpunkten des Familienseminars zu profitieren. Nur mit der Hilfe großzügiger Spender ist es möglich, das Familienseminar auch in diesem Jahr wieder mit den Inhalten zu füllen, die sowohl für die teilnehmenden Kinder als auch für deren Eltern hilfreich und bedeutend sind. Im Namen aller Familien bedanken wir uns für diese treue Unterstützung!

Umfrage und Ergebnis

In jedem Apartment lag auch in diesem Jahr wieder ein Feedbackbogen aus, der eine anonyme Bewertung des Familienseminars ermöglichte. Auf diese Weise erfahren wir, welche inhaltlichen Schwerpunkte besonders berührt haben und wo ggf. noch eine Vertiefung erwünscht wird. Lob aber auch Kritik fließen dann direkt in die Planung für das kommende Jahr mit ein und erhalten so die Qualität des Familienseminars.

Dass das Thema „Geschwister behinderter Kinder“ beim diesjährigen Familienseminar besonders im Mittelpunkt stand, wurde von den Eltern sehr positiv bewertet. Ein Vater formuliert seine Rückmeldung so:

„Die täglichen Belastungen im Alltag mit einem behinderten Kind betreffen uns alle: auch unseren gesunden Sohn. Viele dieser Belastungen können wir ihm nicht ersparen. Wir fragen uns oft, reicht unsere Liebe, unsere Aufmerksamkeit auf für ihn? Im Austausch mit anderen Eltern habe ich erfahren, dass sich diese auch immer wieder die gleiche Frage stellen. Sehr entlastend für mich fand ich die Erkenntnis, dass es hier wohl keine einfache Antwort geben wird, nur ein sich täglich neues Bemühen in kleinen liebevollen Schritten.“

Kiel, Juli 2018